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Berichte für die Öffentlichkeit

Am Ende rauchte der Kopf [15.09.2018]

SPD diskutierte über die Digitalisierung in der Bildung

Als der heimische Bundestagsabgeordnete Wolfgang Hellmich die öffentliche Gesprächsrunde der SPD-Fraktion im Bundestag mit der Überschrift „Digitale Medien in der beruflichen Bildung“, zu der er und seine Fraktionskollegin Elvan Korkmaz aus dem benachbarten Kreis Gütersloh in das Lippstädter Technologiezentrum „Cartec“ eingeladen hatten, beendete, sprach er von „einem rauchenden Kopf“. So breit und komplex habe er die Beiträge der zweistündigen Diskussion empfunden.


Zeigten die unterschiedliche Aspekte der Digitalisierung auf: Von links Wolfgang Nettelstroth, Günter Schmidt, Remco van der Velden, Elvan Korkmaz, Tim Kvoczek (Moderator des Abends), Wolfgang Hellmich und Wolfgang Percy Ott.Foto: Steffen Brüseke

IT-Fachleute in die Schulen

In ihrer Ankündigung hatten der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Hellmich, und das Mitglied im Ausschuss für Digitale Agenda, Korkmaz, herausgestellt: „Die Wirtschaft 4.0 und die Arbeit 4.0 können auch für die Beschäftigung von Nutzen sein, wenn schulische Bildung wie Aus- und Weiterbildung zukunftsorientiert gestaltet werden.“ Die Aussprache mit Wolfgang Percy Ott vom Unternehmen Cisco Deutschland, das sich als weltweiter Marktführer in den Bereichen IT (Informationstechnik) und Netzwerk versteht, Wolfgang Nettelstroth, Industriegewerkschaft Metall Bielefeld, Günter Schmidt, Schulleiter des Hansa Berufskolleg in Unna, und Remco van der Velden, Bürgermeister der Stadt Geseke, offenbarte, dass auch in der schulischen Bildung die digitalen Medien eine verstärkte Bedeutung einnehmen. Doch die Lehrerausbildung habe auf diesem Gebiet noch einen erheblichen Reformbedarf, war aus der Mitte der Versammlung zu hören. Schulleiter Schmidt sah es kritisch, die Pädagogen in den Schulen mit administrativen Aufgaben der Datenverarbeitung zu betrauen. Dies sollten vielmehr IT-Fachkräfte ausüben und unterstrich: „Unsere Lehrer haben eine andere Ausbildung“. Bürgermeister van der Velden teilte die Auffassung des Mannes aus Unna und erklärte dem Forum in Lippstadt, bereits mit der Einstellung einer speziellen Fachkraft für die Schulen in Geseke gehandelt zu haben. „Wir konnten nicht auf eine allgemeine Regelung des Landes warten“, begründete er sein Vorpreschen. Wie digitale Bildung in der Schule vermittelt werden kann, zeigte der vormals im Hochsauerlandkreis tätige Günter Schmidt am Beispiel in Unna auf: 400 IT-Plätze würden hier den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen. Im letzten Schuljahr habe man in Unna erstmals das Abitur digital geschrieben.

Öffentliche Daseinsvorsorge

Auf den vom Cisco-Manager Ott präsentierten Folien war zu lesen: „Fast jeder Job hat künftig einen IT-Bezug“. Folglich müssten die Betriebe ihr Personal schulen. Es gelte, insbesondere der Generation 40plus die digitalen Querschnittskompetenzen näherzubringen und dabei „die Mitarbeiter mitzunehmen“. Dafür sei auch „ein neuer Führungsstil“ erforderlich und „eine andere Arbeitsorganisation“ notwendig. Die Digitalisierung bestehe nach Einschätzung des Referenten Ott aus etwa 30 Prozent Technik, während das Wissen 70 Prozent umfasse. Laut Wolfgang Nettelstroth von der IG Metall müsse es das Ziel sein, die Arbeitswelt durch Digitalisierung und Vernetzung wirtschaftlich und sozial besser zu machen – statt einfach nur effizienter und billiger. Zudem setzte sich der Gewerkschaftler dafür ein, nach der Erstausbildung fortwährend Weiterbildungen anzubieten. Ebenso sei zu hinterfragen: „Wofür qualifizieren wir und wie kann der neue Arbeitsplatz aussehen?“ Elvan Korkmaz, seit 2017 Mitglied des Bundestages und Diplom-Verwaltungsfachwirtin mit beruflicher Erfahrung im Bielefelder Jobcenter und als Sachbearbeiterin für Stadtentwicklung in der Leineweberstadt, hob hervor: „Es wird viel über die Digitalisierung geredet, aber es passiert zu wenig.“ Als Beispiel führte die stellvertretende Landrätin des Kreises Gütersloh die Landwirtschaft in ihrer Heimatregion an, „die einen zügigen Ausbau des Breitwandnetzes bedürfe, um die neuen Technologien auf den Feldern nutzen zu können“. Für die 33jährige Sozialdemokratin gehört die Fortentwicklung der digitalen Geflechte zur „öffentlichen Daseinsvorsorge“. Gleichzeitig müssen, so die SPD-Frau die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterschaft vorausschauend weiterentwickelt werden.

Hans Zaremba

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