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Der Bürger im Mittelpunkt

Ein politisches Leben mit einer Station in Lippstadt [17.03.2008]

Hans Zaremba über Annemarie Renger

Da derzeit bei den Sozialdemokraten im Kreisgebiet das Findungsverfahren für die Nachfolge von Eike Hovermann als SPD-Kandidat bei der Bundestagswahl 2009 durchgeführt wird, erinnern sich noch etliche Zeitzeugen an die Jahreswende von 1985 und 1986, als das Erbe von Engelbert Sander als Bundestagsmitglied zu ordnen war. Damals war Annemarie Renger, Bundestagspräsidentin von 1972 bis 1976, eine Bewerberin, die von den Lippstädter Sozialdemokraten zur Kandidatur im Wahlkreis Soest eingeladen wurde. Vor zwei Wochen ist die resolute SPD-Politikerin in Oberwinter bei Bonn im Alter von 88 Jahren verstorben.


Vom Rhein an die Lippe. Engelbert Sander (rechts) fädelte den Coup mit Annemarie Renger ein.

Idee von Engelbert Sander

Es war gerade Herbstwoche, als Engelbert Sander im Oktober 1985 seinen politischen Freunden Annemarie Renger als künftige Wahlkreisabgeordnete empfahl. Zuvor hatte der ursprünglich von der Lippstädter SPD als Nachfolger von Engelbert Sander vorgeschlagene Eike Hovermann erklärt, für die Wahl im Januar 1987 nicht zur Verfügung zu stehen. Andere Ortsvereine favorisierten den damaligen Unterbezirkschef und seinerzeitigen Bürgermeister von Welver, Klaus Theo Rohe, als Parlamentsvertreter. Mit dem von Engelbert Sander eingefädelten Coup war plötzlich eine völlig neue Situation entstanden. Für Annemarie Renger und Klaus-Theo Rohe begann in den 14 Gemeinden und Städten des Kreises ein kurzer, interessanter und spannender parteiinterner Wahlkampf.

Auftakt in Lippstadt. In einer Pressekonferenz stellte sich Annemarie Renger zum Auftakt ihres Vorwahlkampfes in der größten Stadt im Kreisgebiet vor den heimischen Medien vor. Mit dabei waren Engelbert Sander (Mitte) und Hans Zaremba.


Ende in Wickede

Auf der denkwürdigen SPD-Konferenz in Wickede am 31. Januar 1986 siegte der Welveraner vor der langjährigen Parlamentarierin mit Wohnsitz am Rhein. Der Dritte im Bunde, der von den Lippetalern aufgebotene Josef Neumann, hatte keine ernsthafte Chance und es blieb ihm nur ein Achtungserfolg. Weder vor noch nach Wickede hat es je einen so großen Auflauf von Journalisten bei einem kreisweiten SPD-Treffen gegeben. Die Schar der Medienleute reichte vom Korrespondenten des Westdeutschen Rundfunks über dem Parlamentsredakteur des Bonner Generalanzeigers bis zu Klaus Dreher, dem Leiter des Bonner Büros der Süddeutschen Zeitung. Während Annemarie Renger im Sommer 1986 auf der SPD-Landeskonferenz in Paderborn mit dem guten dritten Platz auf der Reserveliste ausgestattet wurde und 1987 ihre letzte Legislaturperiode antreten konnte, hat Klaus Theo Rohe die Wickeder Nominierung nicht zu einem Bundestagssitz verholfen. Beim Wahlgang von 1987 mit Johannes Rau als Kanzlerkandidat reichte sein Listenplatz nicht aus, um ins Parlament zu gelangen. Auch 1990, wo der Mann aus Welver noch einmal antrat, blieb ihm ein Abgeordnetenmandat versagt.

Unterwegs im Wahlkreis. Annemarie Renger als Modell bei angehenden Hairstylistinnen und Kosmetikerinnen. Mit im Bild die Vizelandrätin Elisabeth Kuppert, die bei fast allen Terminen der prominenten Bundespolitikerin im Kreisgebiet zugegen war.


Nachhaltiger Eindruck

Annemarie Renger hat im Vorwahlkampf der SPD von November 1985 bis Januar 1986 einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Sie besuchte in dem Vierteljahr ihres Engagements vor Ort unter anderem Wirtschaftsbetriebe in Warstein, Sozialeinrichtungen in Lippstadt, das Versuchsgut „Haus Düsse“ in Bad Sassendorf und mehrere Bildungseinrichtungen. Zudem knüpfte sie vielfältige Kontakte zu den Sozialdemokraten im Kreisgebiet. Bei ihrer ersten Visite in Lippstadt ließ sie sich es im Dezember 1985 nicht nehmen, den 1995 verstorbenen Willi Makowski zum Geburtstag in seiner Overhagener Wohnung aufzusuchen. Wenige Tage vor Weihnachten 1985 war sie als Ehrengast bei der Jubilarehrung des Lippstädter SPD-Ortsvereins im Hotelrestaurant Ortwein. Die Verbindungen von Annemarie Renger zur Friedrich-Ebert-Stiftung verschafften dem Stadttheater in Lippstadt im Juli 1986 die Möglichkeit, eine vielbeachtete Ausstellung über das Leben und Wirken des ersten Nachkriegsvorsitzenden der SPD, Kurt Schumacher, anzubieten.

Ehrung für langjährige SPD-Mitgliedschaft. Bei der Jubilarfeier 1985 wurde die Ratsfrau Berni Alff (links) durch Annemarie Renger ausgezeichnet. Aufmerksamer Beobachter ist der damalige Ortsvereinsvorsitzende Wolfgang Schulte Steinberg.


Sozialdemokratische Familie

Annemarie Renger stammte aus einer sozialdemokratischen Familie. Schon ihr Großvater war aktiver Sozialdemokrat. Sie erblickte eines von sieben Kindern des Tischlers, SPD-Politikers und Sportfunktionärs Fritz Wildung und dessen Ehefrau Martha Wildung am 7. Oktober 1919 in Leipzig das Licht der Welt. Die Mutter war im Jahre 1908 der SPD beigetreten - dem Jahr, indem Frauen überhaupt erstmals Mitglied der Partei werden konnten. Der Vater wurde 1924 Geschäftsführer der Zentralkommission für Arbeitersport in Berlin. Die Nazis belegten ihn mit einem Berufsverbot und verfolgten ihn. 1938 heiratete sie den Werbeleiter Emil Ernst Renger, der 1944 in Frankreich fiel. Ihr gemeinsamer Sohn aus der Ehe, Rolf Renger (1938-1998), den sie ebenfalls überlebte, konnte den Vater nie richtig kennen lernen. Mit sechsundzwanzig Jahren war Annemarie Renger Witwe und hatte drei ihrer Brüder im Krieg verloren.

Probleme vor Ort im Blick. Über die Aufgaben der Pyschiatrieeinrichtungen im Kreis Soest verschaffte sich Annemarie Renger (zweite von rechts) einen unmittelbaren Eindruck bei ihrem Besuch in Benninghausen.

Geprägt durch Kurt Schumacher

Annemarie Renger lernte 1945 Kurt Schumacher kennen, der sie politisch stark prägte und 1949 bei der ersten Bundestagwahl als SPD-Spitzenkandidat antrat. Die couragierte Frau begleitete den durch die Folgen im ersten Weltkrieges und Inhaftierung während der NS-Diktatur körperlich schwer eingeschränkten Vorsitzenden von Bundespartei und Bundestagsfraktion bis zu seinem Tod in 1952 als Sekretärin und führte ihm zeitweise auch den Haushalt. Daneben leitete sie ab 1946 das Büro des SPD-Parteivorstandes zunächst in Hannover und danach in Bonn. In die Zeit von Annemarie Renger bei Kurt Schumacher fiel auch der Lippstadtbesuch des Parteivorsitzenden der SPD, den er 1950 zur Hilfe von Bürgermeister Jakob Koenen im Landtagswahlkampf absolvierte. Nach dem Ableben von Kurt Schumacher trat Annemarie Renger selbst ins politische Rampenlicht. Bei der Wahl 1953 gelang ihr der Einzug in den Bundestag, dem sie bis 1990 ununterbrochen angehörte.

Aufbau eines breiten Kontaktnetzes. Auch ein Besuch beim damaligen und unterdessen verstorbenen Kurdirektor in Bad Waldliesborn, Werner Broermann, gehörte zum großen Programm von Annemarie Renger im Januar 1986. Begleitet wurde die Bundestagspräsidentin von 1972 bis 1976 auch bei diesem Gespräch von der Lippstädter Vizelandrätin Elisabeth Kuppert.

Bundestagspräsidentin

Durch den brillanten Wahlerfolg am 19. November 1972 mit Bundeskanzler Willy Brandt wurde die SPD stärkste Fraktion und ihr oblag das Vorschlagsrecht für den Vorsitz im Bundestag. Dafür nominierte sie ihre frühere parlamentarische Geschäftsführerin Annemarie Renger, die am 13. Dezember 1972 erste Parlamentspräsidentin in der Geschichte des Bundestages wurde. Sie erwarb sich schnell eine breite Anerkennung und übte die Funktion zur Überraschung vieler ihrer Kritiker souverän aus. Ganz Parteisoldatin kandidierte sie 1979 für die SPD im Wettbewerb mit ihrem Nachfolger als Bundestagspräsident, Karl Carstens, für das höchste Amt im Staat. Durch die Mehrheit der Union in der Bundesversammlung hatte sie jedoch keine Aussicht, auch die erste Frau im Bundespräsidialamt zu werden.

Würdigung durch Gerhard Schröder

Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder würdigte die verstorbene Sozialdemokraten beim Staatsakt am 13. März 2008 im Deutschen Bundestag mit folgenden Worten. „Sie hat die SPD also nicht nur als eine politische Interessenvertretung wahrgenommen, sondern vor allem als eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Diese Gemeinschaft sprach nicht nur den Verstand, sondern auch Herz und Gefühl an. Hier lernte sie die Welt nicht nur zu betrachten, sondern zu begreifen. Hier fand sie Halt. Hier entstand der Wille, die Welt verbessern zu helfen. Die Bindungen und Formungen, die hier entwickelt wurden, waren so stark, dass sie ein Leben lang hielten.“ Auch die Sozialdemokraten im Lippstädter Ortsverein werden Annemarie Renger und ihre Verdienste in guter Erinnerung behalten.

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