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Der Bürger im Mittelpunkt

Von Leipzig bis nach Lippstadt [04.05.2018]

Erinnerung an die Bundestagswahl in 1998 - von Hans Zaremba

Als sich im Frühjahr 1998 auf dem Messegelände im Norden von Leipzig 525 Delegierte der Sozialdemokratie aus allen SPD-Bezirken in Deutschland zum außerordentlichen Bundesparteitag trafen, erlebte die SPD eine Veranstaltung, die sie bis dato nicht kannte und bis heute ein einmaliges Ereignis geblieben ist. Es war, wie es die Medien vor zwei Jahrzehnten berichteten, eine „Krönungsmesse“ und „Inthronisierung“. Das ganze diente dazu, um den damaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Gerhard Schröder, rituell zum Kanzlerkandidaten der SPD auszurufen.


Frühjahr 1998: Der auf dem SPD-Parteitag in Lipperbruch gewählte Stadtverbandsvorstand bereitet sich auf den Bundestagswahlkampf vor. Mit dabei in der hinteren Reihe vor dem Plakat mit dem Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder der seinerzeitige Bundestagsabgeordnete Eike Hovermann. Archiv-Foto: SPD-Ortsverein Lippstadt

Denkwürdiges Ergebnis

Zugleich war dieser Parteitag, der ganz auf den SPD-Mann für das Amt des Kanzlers ausgerichtet war, der Auftakt eines bemerkenswerten Wahlkampfs. Am Ende - am Sonntag, 27. September 1998 - wurde die SPD nach 1972 mit Willy Brandt an ihrer Spitze zum zweiten Mal in ihrer Geschichte stärkste Kraft im Bundestag. Denkwürdig war auch, dass erstmals im Bund die Opposition (SPD und Grüne) eine Regierung (Union und FDP) direkt über Wahlen ablösen konnte. Einen Monat später - am 27. Oktober 1998 - wurde Gerhard Schröder vom Parlament mit 351 Stimmen zum Bundeskanzler berufen, obwohl nur 344 Abgeordnete aus der SPD und Grünen zugegen waren. Bei den Regierungswechseln in 1966 (erste Große Koalition als Bundesregierung nach dem Aus der Allianz aus CDU/CSU und FDP) und 1982 (Sprung der FDP aus der Verbindung mit der SPD zur CDU/CSU) gingen Aufkündigungen der bisherigen Bündnisse während der Legislaturperiode voraus.

Außergewöhnlicher Abend

Einmalig war das Resultat auch in Lippstadt. Der SPD-Bewerber Eike Hovermann aus Overhagen lag mit 48,6 Prozent vorne und konnte einen Zugewinn von sechs Zählern nach seiner ersten Kandidatur in 1994 verzeichnen. Der Unions-Mann und inzwischen aus der Bundespolitik ausgeschiedene Jürgen Augustinowitz aus Rüthen erreichte lediglich 41,6 Prozent und musste an der Lippe den herben Verlust von 5,2 Punkten hinnehmen. Noch größer war der Abstand bei den Zweitstimmen. Dort kam die SPD auf 44,7 (40,1 in 1994) und die CDU auf 36,4 Prozent (42). Dass der Jubel der Sozialdemokraten keine Grenzen mehr kannte, als der damalige SPD-Fraktionschef im Rathaus, Karl-Heinz Brülle, am 27. September 1998 um 20.35 Uhr in der SPD-Zentrale in der Marktstraße den erstaunlichen SPD-Sieg im Kreis Soest bekannt gab, überrascht nicht. An diesem außergewöhnlichen Abend, der erst am frühen Morgen in der „Marktdeele“, der „Filiale“ der Lippstädter SPD in jener Zeit, enden sollte, gibt es auch 20 Jahre später noch viele und schöne Erinnerungen.

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