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Jakob Koenen

Kühner Sprung des Bürgermeisters [25.09.2011]

Hans Zaremba über die Eröffnung des Hallenbades vor 45 Jahren

Jetzt, wo sich mit dem am Jahnweg entstehenden Kombibad das baldige Ende des nach dem früheren Bürgermeister Jakob Koenen (SPD) benannten Lippstädter Hallenbades abzeichnet, erinnern sich noch etliche Zeitgenossen an die Eröffnung dieser Einrichtung vor 45 Jahren. Ein Blick in die Archive belegt, dass sich am Dienstag, 27. September 1966, dem ersten Tag des allgemeinen Schwimmbetriebes, bis 11.00 Uhr schon 300 Badelustige im neuen Bad am Cappeltor eingefunden hatten.


Promotor des Lippstädter Hallenbades am Cappeltor: Jakob Koenen, Bürgermeister von 1948 bis 1974.

Vorsichtiger Kämmerer

Bereits um 6.20 Uhr soll der Parkplatz vor dem Gebäude voll belegt gewesen und die „Schlange“ vor der Kasse lang und länger geworden sein. Mit einem kühnen Sprung habe sich Bürgermeister Koenen als erster um 6.30 Uhr in das mit 26 Grad warme kristallklare Wasser gestürzt, während sich der damalige Erste Beigeordnete und Kämmerer Heinrich Westen weit vorsichtiger dem kühlen Nass genähert habe. Einer Veröffentlichung aus dem September des Jahres 1966 ist zu entnehmen, dass der ehemalige Kassenwart aus dem Stadthaus erst bedächtig die große Zehe ins Wasser gehalten habe und dazu mit dem Rezept „So ein erfrischendes Bad am Morgen ist gut für Leute, die einen Kater haben“ zitiert wurde. Zudem wird als einzige Panne bei der Premiere des Hallenbades überliefert, dass das Schlüsselbändchen, das jeder Besucher trug, für das kräftige Handgelenk des Bürgermeisters wohl zu knapp war.

Würdigung. Als Anerkennung für den unermüdlichen Einsatz von Jakob Koenen für die Errichtung des Lippstädter Hallenbades wurde 1974 im Foyer des Schwimmbades diese Büste enthüllt.


Viele Hürden

Bevor im September 1966 die Lippstädter ihr Hallenbad in Beschlag nehmen konnten, waren viele Hürden aus dem Weg zu räumen. Es ist das unbestrittene Verdienst von Jakob Koenen, dieses Bad gegen manche und heftige Widerstände durchgesetzt und zum Erfolg verholfen zu haben. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Es war das Jahr 1958, in dem der Sozialdemokrat den Plan für ein Hallenbad an der Lippe entwarf, den viele mehr oder weniger für nicht verwirklichbar hielten. Lippstadt hatte zu diesem Zeitpunkt eine Bevölkerungszahl von 35.000 Einwohnern und seine knappen finanziellen Mittel für viele andere dringende Verpflichtungen einzusetzen. Dreizehn Jahre nach dem Kriegsende befand sich auch der Wiederaufbau in der Lippestadt noch in vollen Zügen. Zwei Stichworte veranschaulichen dies: Wohnungsbau und die Integration tausender von Flüchtlingen und Vertriebener. Ein Hallenbad wurde folglich von nicht wenigen Kritikern als zu teuer und reinweg als Luxus abgetan. Doch der engagierte Kommunalpolitiker ließ sich nicht beirren und gewann über die Vereine eine große Zahl von Anhängern für sein Vorhaben.

Momentaufnahme von der Stadtwanderung des Lippstädter SPD-Ortsvereins im August 2010: Groß war das Interesse, mehr über das Jakob-Koenen-Bad zu erfahren.


Klare Überlegungen

So entstand auch die „Hallenbadzigarette“. Die Überlegungen waren klar durchdacht: Möglichst viele Bürger von der Idee überzeugen, dann werde auch genügend Geld für ein Hallenbad zusammenkommen. Der Einfall des Nichtrauchers basierte darauf, viele Nikotinfreunde davon zu überzeugen, täglich auf ein Stäbchen zu verzichten. Das waren zumindest fünf in der Woche. Der Bürgermeister zählte nur die Arbeitstage von Montag bis Freitag und verband damit den Wunsch an die Raucher, den Gegenwert von gut zehn Pfennigen für das von ihm vorgeschlagene Projekt zu stiften. Zwei Mark von jedem Bürger im Monat hatte er kalkuliert. Aus der „Hallenbadzigarette“ entwickelte das Stadtoberhaupt die „Hallenbadlotterie“. Verkäufer waren Politiker, Beamte und Angestellte der Stadtverwaltung, aber auch Vereine. Sie brachten Lose für eine Mark an die Frau und den Mann. Als Hauptgewinn lockten vier Käfer von Volkswagen. Als das Hallenbad vor 45 Jahren seiner Bestimmung übergeben wurde, war eine gute halbe Million an Spenden aufgelaufen. Immerhin ein Sechstel der Baukosten.

Ein Blick hinter die Kulissen des Jakob-Koenen-Bades. Diesen vermittelte der Betriebsleiter für die von den Stadtwerken am Jahnweg und am Cappeltor betriebenen Bäder, Hans-Georg Böhm, bei der Stadtwanderung des Lippstädter SPD-Ortsvereins im August 2010.


Bemerkenswerte Aktion

Eine bemerkenswerte Aktion war auch eine vom damaligen Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) während der Kicker-Weltmeisterschaft im Sommer 1966 eingegangene Wette und die Einlösung ihrer Schuld. Was das Abschneiden der eigenen Nationalelf betraf, war der Lippstädter äußerst skeptisch. So kam es zum Versprechen: „Wenn Deutschland ins Endspiel kommt, lasse ich mir einen Stiftekopf schneiden.“ Trotz der Zweifel des bekennenden Fußballfans an der Lippe kam die von Bundestrainer Helmut Schön aufgebotene Auswahl in England am 30. Juli ins Finale vom Wembley (2:4 gegen die Gastgeber). Also musste der Bürgermeister zum Barbier. Wenige Tage später, am 9. August nach dem Großebohnen-Essen der Südlichen Schützen, erschien der Wettschuldner in der Geiststraße im Salon von Willi Oldenkott. Doch bevor der Friseurmeister beginnen konnte, mussten die Zeitzeugen der auffälligen Aktion, die vielen Presseleute mit ihren Kameras eingeschlossen, einen Obolus für das Hallenbad in die mitgebrachte Schatulle werfen. Das Bad am Cappeltor ist eine vorbildliche Gemeinschaftsleistung der Lippstädter Bevölkerung. Als Anerkennung für den unermüdlichen Einsatz des von November 1948 bis zu seinem Tod im Januar 1974 amtierenden volkstümlichen Bürgermeistes Jakob Koenen wurde das Hallenbad mit seinem Namen versehen und seine Verdienste mit der Aufstellung einer Büste im Foyer des Bades gewürdigt.

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